Begriffe des Silber- und Goldschmiedehandwerks

Aufziehen einer Form

Ein rundes Stück Silberblech wird durch hämmern zu einer Holform geformt. Wichtig ist bei diesem Arbeitsgang, dass sich das Silber bei der Bearbeitung gleichmäßig ausdehnt und keine Verwerfungen oder Risse bildet. Während des Vorgangs wird das Werkstück immer wieder erhitzt. Durch die Technik “Aufziehen einer Form” können Schüsseln, Schalen oder Becher, aber auch aufwendige Figuren geformt werden.

Bright-Cut-Gravur

Eine ab dem 18. Jahrhundert häufig verwendete Gravurtechnik. Mit der Doppelkante des Stichels wird eine breite Fläche in Form einer Facette aus dem Silberstück gehoben. Später werden diese Stellen poliert. Auf Grund der verschiedenen Winkel glitzert das Silberobjekt.

Cut-Card Technik

Eine Verarbeitungstechnik bei der das Silberobjekt mit dünnen Silberblechen (in Form von Blumen oder Blättern etc.) dekoriert wird. Die geformten Silberstücke werden aufgelötet. Ende des 17. Jahrhunderts war diese Technik in Frankreich sehr beliebt und wurde von den Gold- und Silberschmieden der Hugenotten verwendet.

Drahtziehen

Eine Arbeitstechnik um Silberdraht zu erzeugen. Silberstäbe werden durch immer kleiner werdende Öffnungen gezogen, bis die gewünschte Stärke erreicht ist. Zwischendurch wird immer wieder eine Glühbehandlung durchgeführt. Es sind auch sehr feine Silberdrähte für filigrane Verzierungen möglich.

Drücken

Ein Herstellungsverfahren bei dem an einer Drückbank eine sich drehende Silberscheibe mit Drückwerkzeugen, an einem Hartholzblock, zu Hohlwaren geformt werden. So wurden vor allem im 19. Jahrhundert Kannen, Gefäße und Schalen gefertigt. Das Drücken von Silber ist eine alte Technik.

Elektroplattieren (Galvanotechnik)

Mit Hilfe der Elektrolyse können Metallgegenstände einen feinen Überzug aus reinem Silber erhalten. Das Elektroplattieren basiert auf dem von Luigi Galvani 1780 entdeckten Verfahren. In der Silberwarenfabrik Ellington & Co. wurden ab 1836 Tischgeschirr galvanisch vergoldet und versilbert.

Feingehalt

Gibt den Anteil an Silber in einer Legierung in Tausendsteln an (925/1000). Bis 1886 wurde der Feingehalt von Silber in Lot angegeben. Der Silbergehalt wurde durch 16 geteilt (16 Lot = 100%).

Feuervergolden

Ein hochwertige und haltbare Veredelung von Silberobjekten, die eine feine Schicht Gold erhalten (vergolden). Amalgam (Legierung aus Gold und Quecksilber) wird als Paste auf das Silber gegeben. Durch erhitzen verdampft das Quecksilber und es bleibt ein feiner Goldüberzug zurück. Eine weitere Methode der Feuervergoldung wird später beschrieben (siehe Vergolden).

Friese (aufgelötete)

Eine Zierleiste die auf einem Silberobjekt angebracht wird.

Gießen

Eine alte Herstellungstechnik, bei der Objekte aus flüssigem Silber in einer Form gegossen werden. Zuvor wird ein Modell angefertigt, das dann z.B. im Wachsschmelzverfahren hergestellt wird.

Glühbehandlung

Ein Arbeitsschritt bei der Bearbeitung von Silber. Wird ein Silberstück oder Silberdraht mehrfach (3-5 mal) gehämmert oder gezogen, ist eine Glühbehandlung notwendig um die Biegsamkeit und Elastizität des Silber zu erhalten. Es wird einer Rissbildung vorgebeugt. Bei der Glühbehandlung wird das Silberobjekt auf 700 Grad erhitzt und dann in Wasser abgekühlt.

Gravieren

Eine Arbeitstechnik, bei der die Oberfläche des Silberobjektes mit der Graviernadel oder Stichel bearbeitet wird. Es können filigrane Muster hergestellt werden.

Guillochieren

Maschinelles Gravieren mit Hilfe von Schablonen. Der Guillocheur war bis ins 19. Jahrhundert ein eigener Berufszweig. Die Guillochiermaschinen wurden ab dem 17. Jahrhundert verwendet. Es können feine, sich wiederholende Muster, wie sie auch auf Banknoten zu finden sind, graviert werden.

Kupellieren

Eine von Beschaumeister vorgenommene Prüfung des Feingehaltes von Silber oder Gold. Von dem Silberobjekt wird eine Probe (Tremulierstrich) entnommen und in der Kapelle (kleiner, poröser Schmelztiegel z.B. aus Holzkohle) erhitzt und unedle Metalle entfernt. Durch den Gewichtsverlust läßt sich der Feingehalt berechnen.

Löten

Eine Arbeitstechnik um zwei Teile miteinander zu verbinden. Die zu verbindende Teile werden mit einem Flussmittel bestrichen. Als Lot wird eine Silber/Zink Legierung verwendet.

Mattieren

Durch aufrauen mit verschiedenen Werkzeugen (Messingbürsten, Feilen, Bimsstein, Mattierungspunzen) entsteht eine matte Oberfläche. Eine Mattierung kann auch chemisch (ätzen), durch Laserbestrahlung oder Sandstrahlen erfolgen.

Niello

Mit einem schwarzen Niello aus einer Legierung aus Blei, Silber, Kupfer und Schwefel werden gravierte Vertiefungen gefüllt. Das schwarze Niello steht im Kontrast zum glänzenden Silber. Die Niellotechnik war bereits im alten Ägypten und Griechenland bekannt, wie Fundstücke belegen.

Planieren

Eine Arbeitstechnik der Silberschmiede, die nach dem aufziehen auf eine Form vorgenommen wird. Mit einen Planierhammer werden sichtbare Hammerschlage und Unebenheiten aus vorhergegangen Arbeitsschritten ausgeglichen.

Punzieren

Der Silberschmied verziert oder stempelt mit dem Punziereisen das Schmuckstück. Beim Punzieren können kleine Ornamente und Muster angebracht werden.

Sheffield Platte

Eine Kupferplatte mit einer aufgewalzten Silberfolie.

Stanzen

Ab ca. 1820 werden in der Schmuckfertigung Klein – und Großserien von Fertigteilen gestanzt. Es sind einige Stückzahlen erforderlich um die Kosten für die Anfertigung der Gesenkformen zu decken.

Tauschieren

Eine Schmiedekunst bei der Silber- oder Golddrähte in eingeschnittene Rillen eines anderen Metall gehämmert werden. Eine alte Kunstfertigkeit, die schon in der Antike bekannt war. Berühmte Fundstücke stammen aus Damaskus.

Vergolden

Es gibt verschiedene Techniken um ein Silberstück zu vergolden. Beim Feuervergolden wird ein in Goldchlorid getränkter Leinenlappen verbrannt und die Asche auf dem Silberstück verrieben.
Beim Elektrovergolden wird eine feine Goldschicht auf galvanischen Weg aufgebracht. Das Schmuckstück wird in ein galvanisches Bad aus einer flüssigen Goldverbindung getaucht. Durch fließenden elektrischen Strom zersetzt sich die Lösung und setzt sich als Goldschicht auf dem Schmuckstück nieder.

Ziselieren

Der abschließende Arbeitsschritt bei der Oberflächenbehandlung des Silberobjektes. Die gegossenen oder aus Silberblechen getriebenen Silberarbeiten werden mit Werkzeugen (Feile, Stichel oder Punziereisen etc.) bearbeitet und die letzten Feinheiten herausgearbeitet.