Draco – Der Kanarische Drachenbaum

Der Kanarische Drachenbaum (Dracaena Draco) ist eine Besonderheit der kanarischen Inseln. Neben Teneriffa, Las Palmas, Gran Canaria und La Gomera konnte der Drachenbaum die Eiszeit auch auf den Kapverden, Madeira und Marokko überleben. Der älteste Drachenbaum steht in Icod de los Vinos auf Teneriffa. Der “Tausendjährige” wird wissenschaftlichen Untersuchungen nach auf ein Alter von etwa 400 Jahren geschätzt. Hierbei wurden die Verzweigungen und die Abstände der Blühperioden berücksichtigt. In alten Dokumente aus dem 15. Jahrhundert wird der Baum als Grenzmarkierung erwähnt und schon zu dieser Zeit hatte der Drachenbaum eine imposante Größe.

Der Draco hat ein baumartiges Wachstum und wird je nach Quelle der Familie der Spargelgewächse, Liliengewächse oder den Agaven zugerechnet. Der Drachenbaum bildet allerdings keine Wachstumsringe aus, somit ist eine Altersbestimmung sehr schwierig. Der Draco wird bis zu 20 Meter hoch. Erst nach acht bis elf Jahren bildet er das erste mal, an seiner Spitze, eine Blütenrispe aus. An den Blüten entstehen essbare orangebraune Beeren mit einem säuerlichen Geschmack. Die Blütezeit ist von Juli bis August. Der Draco ist sehr mürrisch und hat viel Zeit, wie ein Drache halt so ist, und so kann es mitunter einige Jahre bis zur nächsten Blüte dauern. Er hat schwertförmige, dunkel- bis hellgrüne Blätter, die eine Länge bis zu 60 Zentimeter erreichen. Alexander von Humboldt beschrieb und zeichnete den größten Drachenbaum seiner Zeit in den Franchy Gärten in La Orotava auf Teneriffa. Bei einem Sturm im Jahr 1868 ist der Baum auseinandergebrochen und der verbleibende Teil der Baumkrone ist durch Fäulnis zersetzt.

Drachenbaum

Wild wachsende Dracaena Draco sind sehr selten und stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Sie sind eine der ältesten Bewohner dieser Erde.

Der botanische Name Dracaena wird aus dem griechischen (Drákaina) abgeleitet. Es bedeutet weiblicher Drache. Der griechischen Mythologie nach wuchsen die Drachenbäume aus Blutstropfen eines Drachen.
Die Göttin der Erde, Gaia, schenkte der Gemahlin von Zeus, zu ihrer Hochzeit einen Baum, der jedes Jahr drei goldene Äpfel trug. Diese Äpfel verleihen ewige Jugend und Hera pflanzte diesen Baum am westlichen Rande der Erde. Gepflegt wurde der Baum von den Hersperiden, die der Versuchung aber nicht widerstehen konnten. Hera beauftragte den mehrköpfigen Drachen Ladon die goldenen Äpfel zu beschützen. Ladon wird mit bis zu 100 Köpfen abgebildet und spricht mit vielen Stimmen und ebenso vielen Sprachen. Eine der zwölf Aufgaben des Herkules war es, die Äpfel zu rauben und zu König Eurystheus zu bringen. Herkules bezwang den Drachen Ladon. An den Stellen, an denen das Blut des Drachen auf die Erde tropfte, wuchs ein Drachenbaum.

Die Kanaren waren zu jener Zeit das westliche Ende der bekannten Welt und Rieseneidechsen waren auch vorhanden. Wenn beim Drachenbaum ein Trieb abbricht, wachsen, wie beim Drachen Ladon die Köpfe, zwei Triebe nach. Wenn der Drachenbaum verletzt wird sondert er ein zuerst farbloses Harz ab, das später zum dunkelroten Drachenblut gerinnt. Das Drachenblut war schon den Guanchen bekannt und sie schätzten es zur Heilung von Knochenbrüchen und Verletzungen. Der Drachenbaum war den Ureinwohnern heilig und stand als Symbol für Fruchtbarkeit und Weisheit.. Das Harz wurde zur Färbung von Stoffen und zur Bemalung von Keramik verwendet. Die Guanchen konservierten mit dem Drachenblut ihre Toten und ihnen war bestimmt auch die Verwendung als Räucherstoff bekannt. Im Mittelalter war Drachenblut nicht nur ein geheimer wirksamer Bestandteil der Kräutermixturen und Räucherungen. Räucherungen mit Drachenblut sollen Geister, Dämonen und negative Energien vertreiben. Mit Weihrauch vermischt wird es auch als Liebesräucherung verwendet. Das Harz wurde ebenso zur Konservierung von stark beanspruchtem Holz verwendet, sowie zur Zahnpflege, da es Zähne und Zahnfleisch gesund erhält. Das Harz des Drachenbaums wurde weiterhin als Zutat bei Lacken und Polituren zum Geigenbau genutzt. Die Ernte von Drachenblut ist vergleichbar mit dem Abzapfen von Kautschuk. Mit einem Messer wird der Stamm täglich angeritzt und das ausfließende Harz in einem Behälter gesammelt. Ein sehr aufwendiger Prozess, ohne hohe Erträge. Als der Preis, der einst über dem von Gold lag, für Harz vom Drachenbaum sank und andere Stoffe seine Verwendung ersetzten, war dies das Todesurteil für viele Drachenbäume. Sie wurden gefällt um anderen Kulturen Platz zu machen. Gegen Erkältungen und Husten wird ein Aufguss aus den Beeren empfohlen. Drachenbäume sind in der Lage, in der Luft enthaltende Schadstoffe abzubauen. Die Drachenbaumsamen werden zur Herstellung von Schmuck verwendet. Eine alte Bauernregel besagt, das eine ausgiebige Blüte im Spätsommer, auf reichlich Regen im darauffolgenden Winter hindeutet.

Drachenbäume sind zu finden auf:
Gran Canaria:
– Pino Santo
Auf Gran Canaria ist auch die Art Dracena Tamaranae heimisch.

La Palma:
– Las Tricias (Barranco de Buracas / Tal der Drachenbäume)
– Puntagorda
– Garafia
– Brena Baja
– El Tablado
– Franceses
– Don Pedro
– La Tosca
– Zumacal/San Antonio
– Mazo (bei der Cueva de Belmaco)
– San Isidor (Zwillingsdrachenbaum)

La Gomera:
– Alajero (El Drago / Drago de Agalán)

Teneriffa:
– Icod de los Vinos (der Welt älteste Drachenbaum)

El Hierro:
– Valverde
– Tiqaday

Für die, die es sehr genau wissen wollen:
Wissenschaftliche Arbeit zum Dracaena Draco in Icod de los Vinos, Teneriffa.
www.baumstatik.de

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