Geister der Bergvölker in Thailand

Bei den Bergvölkern (Hill Tribe) in Nord-Thailand handelt es sich um Stämme, die vor ca. 3000 Jahren aus Tibet, Sibirien und der Mongolei nach China gezogen sind. Um ca. 1850 sind einige Stämme in die unzugänglichen Berge in Nord-Thailand, Burma und Laos weitergezogen. Die Bergvölker sind Animisten und glauben, dass in der Natur alles eine Seele hat. Unsichtbare Mächte und Geister wohnen im Wasser, Bäumen, Tieren und Steinen. Bei den meisten Stämmen werden auch die Geister der Ahnen verehrt.

Akha
Die Akha leben in den Bergen von Nord-Thailand. Ihre traditionellen Dörfer werden durch Figuren und Tore mit Verzierungen von der Welt der Geister getrennt. Die Tore, die jährlich mit einem Ritual erneuert werden, sollen die Geister abhalten das Dorf zu betreten. Zum Ende der Regenzeit (August/September) wird ein mehrtägiges Schaukel-Ritual abgehalten, das vom Dorfvorsteher und den Heiler oder Heilerin durchgeführt wird. Für das Ritual wird aus großen Bambusstangen eine Schaukel gebaut, auf der das ganze Dorf schaukelt.
Einige der Geister, die die Akha fürchten leben im Wasser. Aus früherer Zeit wird ihnen ein „sparsamer“ Umgang mit Wasser zum waschen nachgesagt. Die Akha verehren die Geister ihrer Ahnen und Naturgeister. Die Heiler nehmen bei Erkrankungen Kontakt mit den Geistern auf und sind kundig im Umgang mit Heilpflanzen.

Karen
Die Karen halten jährlich zu Beginn der Regenzeit ein Ritual ab, um für eine gute Reisernte zu bitten. Es wird ein aus Reisstroh gefertigter Stern, das Talaeo, aufgestellt. Der Talaeo ist den Luftgeistern gewidmet, die Überschwemmungen und Unwetter verursachen können. Es werden Opfergaben dargebracht um die Geister zu besänftigen.
Zum Schutz vor Schlangenbissen werden von den Moh Phi (Geisterheilern) der Karen Tätowierungen an der Innenseite der Beine, vom Knie bis zu den Knöcheln, gestochen. Die Moh Phi der Karen erhalten ihre magischen Kräfte vom Mond und verehren ihn. Wichtige Rituale werden zu bestimmten Mondphasen abgehalten. Die Heiler verstehen sich auch auf die Zubereitung von Zaubertränken aus Pflanzen. Die Pflanzen werden vor Sonnenaufgang gesammelt, da sonst die Zauberkraft verloren geht. Am wirksamsten sind die Pflanzen, die bei zunehmenden Mond gesammelt werden.

Lahu
Die Lahu sind Animisten und ihr wichtigster Geist wird Geusha genannt. Geusha steht über den anderen Naturgeistern und es werden Opfergaben dargebracht. Auch das Kho Cha Lor Fest ist ihm gewidmet. Einige Stämme der Lahu haben mit Fahnen geschmückte kleine Tempel. Die Lahu besitzen sehr gutes Wissen über Pflanzen und Kräuter. Ihre Heilmittel und Öle sind begehrt.

Lisu
Die Lisu verehren die Geister ihrer Ahnen. In den Dörfern und am Haus der Lisu befinden sich Geisterhäuser, in denen die Geister der Ahnen wohnen. Die Lisu glauben an eine geistige Welt. Ihre Heiler befragen bei Krankheiten die Geister und nutzen Heilpflanzen.

Die einst unzugänglichen Berge sind längst mit Strassen durchzogen und die Zivilisation und Missionare sind angekommen. Viele der Angehörigen der Bergstämme sind zu Christen geworden und haben ihren alten Naturglauben abgelegt.