Geschichte der Silberstempel auf Silberschmuck und Silberobjekten

Das Handwerk des Gold- und Silberschmiedes ist sehr alt, da Gold und Silber auch in reiner Form gefunden wurde, konnte es schon früh bearbeitet werden. Die Fertigkeit Silber und Gold zu bearbeiten verbreitete sich vor langer Zeit aus den dem östlichen Mittelmeerraum und erreichte Europa und Irland, welches für sein keltisches Kunsthandwerk berühmt war. Es entstanden viele verschiedene Stilarten. Die Stilarten erforderten neue Techniken der Silberbearbeitung. Das markante Design einer Epoche entstand in einer Region mit entsprechenden Techniken oder wurde vom Vatikan oder einem Königshaus vorgegeben. Es waren Musterbücher mit Zeichnungen im Umlauf, die allgemein verwendet wurden. Im Silberhandwerk kam es schon früh zur Arbeitsteilung. Aufwendige Silberobjekte wurden von Spezialisten (Gießer, Gesenkschneider, Graveure) in verschiedenen Arbeitsschritten bearbeitet. Der Meister überwachte die Tätigkeiten und hatte die Verantwortung für jedes einzelne Stück, das seinen Meisterstempel trug. Die Stempel mit denen Silberschmuck und Silberobjekte versehen wurden, fanden schon im 4. Jahrhundert in Rom Verwendung. Fälschern der kostbaren Silberstücke sollte die Arbeit erschwert werden. Ab dem 12. Und 13. Jahrhundert, als sich die Handwerker zu Zünften zusammenschlossen, wurde die Verwendung von Silberstempeln weiter verbreitet und die Qualität des Silberschmuckes oder des Gebrauchssilbers bestätigt. Der Silbergehalt wurde regional festgeschrieben und die Silbermarken entwickelten sich zu einem Gütezeichen.

Der Sterling Standard mit einem Feingehalt von 925 Teilen Silber und 75 Teilen Kupfer wurde festgeschrieben. Im Jahr 1300 wurde für den Sterling Standard in England ein Leopardenkopf als Punze (Stempel) verwendet. Der Leopardenkopf bestätigte das der Feingehalt geprüft wurde. Später wurden Feingehaltstempel (Punzen) eingeführt, die je nach Region von den Zünften, Beschaumeistern oder staatliche Beamten überwacht wurden. Einige Städte hatten ihre eigenen Stempel, mitunter wurden auch Jahresbuchstaben gestempelt, um die Silberobjekte den jeweiligen Beschaumeistern zuordnen zu können. Neben der Sicherstellung des Feingehaltes, schützten die regionalen Stempel und Handelsbeschränkungen auch die ansässigen Händler und Hersteller und belegten die Besteuerung der Silberobjekte.

<strong>Entwicklung der Silberstempel in Europa</strong>

380 n.Chr. In Rom wird zum ersten mal ein Silberstempel (Punze) verwendet.
1231 In Italien (Florenz, Pisa, Siena) werden Regelungen für Silberschmuck und Silberobjekte eingeführt.

1238 In England wird der Sterling Standard mit einem Feingehalt von 925 festgelegt.

1275 In Paris werden die ersten Stadtmarken eingeführt.

1298 Spanische Gold- und Silberschmiede gründen eine Zunft.

1300 Der Sterling Standard wird mit dem Leopardenkopf gestempelt

Sehr früh wurden in Russland Stadt- und Jahresmarken verwendet. Der doppelköpfige Adler (Moskau) und zwei Anker mit einen Zepter (St.Petersburg) waren die Verbreitesten.

Im 13. Jahrhundert werden Meistermarken in Deutschland erwähnt.

1355 In Belgien (Brüssel) wird die Stadtmarke mit der Abbildung eines stehenden Löwen verwendet. Später wird oberhalb des Löwen eine Krone hinzugefügt.

1358 – 1398 Der Feingehalt von Gold und Silber wird in Italien festgelegt.

1363 Meistermarke wird in England eingeführt, die Marke wird nach der Kupellierung (Feuerprobe) angebracht.

1372 Werden in Brüssel die Meistermarken eingeführt.

1398 – 1818 Norwegen und Dänemark überwachen mit gemeinsamen Gesetzen den Silbermarkt.

Im 14. Jahrhundert werden in Deutschland in den auflebenden Silberstädten Nürnberg und Augsburg Überwachungen des Silbergehaltes durchgeführt.

1400 In Gent (Belgien) wird ein Feingehaltsstempel eingeführt.

1401 In Spanien werden für Silberobjekte und Silberschmuck Stadtmarken vorgeschrieben.

1423 In England führen Bristol, Coventry, Lincoln, Newcastle, Norwich, Salisbury und York eigene Silberprüfungen ein.

1457 Werden in Schottland erstmals Meisterstempel und der Stempel eines Wardeins (Beamter) aus Edinburgh verwendet.

1463 Dem Leopardenkopf des englischen Sterling Silber Stempel werden Jahresbuchstaben hinzugefügt.

1472 bis 1789 wurden in Frankreich Jahresbuchstaben verwendet.

1478 Der englische Prüfstempel “Leopardenkopf” bekommt eine Krone. Mit den Jahresbuchstaben besteht der Sterling Silber Stempel jetzt aus 3 Stempeln.

1485 Meistermarken werden erstmals in Schweden verwendet.

1485 In Schottland wird eine Kombination aus Stadtmarke von Edinburgh, Meistermarke und ein Prüfstempel des Wardeins verwendet.

1498 In Dublin (Irland) wird zum ersten mal die Gold- und Silberschmiedezunft erwähnt.

1508 werden in Italien getrennte Zünfte für Gold- und Silberschmiede eingeführt. In Rom wird der gekreuzte Schlüssel als Marke eingeführt. Genua verwendet einen Turm als Stadtmarke. Silberschmuck und Silberobjekte aus Neapel werden mit dem Schriftzug NAP mit einer Krone gestempelt. Als Turiner Stadtmarke wird das Wappen des Hauses Sovoyen verwendet. Venedig verwendet den geflügelten Markuslöwen als Stadtstempel.

1516 In Nürnberg wird als Stadtmarke ein N eingeführt.

1529 In Augsburg wird eine eigene Stadtmarke eingeführt.

1543 Wird in England ein Löwe in Seitenansicht als Feingehaltszeichen festgelegt.

1548 In Deutschland regelt ein Reichsgesetz die Verwendung von Prüf- und Meisterzeichen.

1554 Wird in Frankreich ein Feingehalt von 95,8 % vorgeschrieben.

1562/63 In Florenz und Rom werden zusätzlich die Meistermarken eingeführt.

1568 In Bergen (Norwegen) wird eine Gold- und Silberschmiedezunft gegründet. Oslo und Trondheim schließen sich an.

1596 In Schweden werden die jeweiligen Stadtwappen auf Gold- und Silberobjekte gestempelt.

Im frühen 16. Jahrhundert wurden in Holland Stadtwappen, Meisterstempel und Jahresbuchstaben auf königliche Anordnung verwendet. Silberschmuck und Silberobjekte wurden von städtischen Beamten geprüft.

16. Jahrhundert In Belgien werden Jahresbuchstaben genutzt.

1605 Erste Stempel werden in Irland verwendet.

1608 Wird die seit 100 Jahren bestehende römische Stadtmarke leicht verändert und bis 1811 in dieser Form verwendet.

1613 In Russland wird Silber mit Stadtmarken, Jahresbuchstaben und Meistermarke gestempelt.

1637 In Irland wird in Dublin eine Stadtmarke (Harve mit Krone) eingeführt.

1638 In Dublin (Irland) werden Jahresbuchstaben hinzugefügt.

1672 Silber wird in Frankreich besteuert.

1677 Werden in Frankreich Gebührenstempel eingeführt. Weiterhin sind Silberstempel des Wardeins (Beamter der Erze, Silber und Münzen prüft) und des Meisters vorgeschrieben.

1681 In Edinburgh (Schottland) werden Jahresbuchstaben eingeführt.

1689 In Schweden werden Jahresbuchstaben eingeführt.

1690 In Holland werden Provinzstempel mit einem gekrönten Löwen verwendet. Es wird ein Silber Feingehalt von 93,4 % festgelegt.

1697 – 1700 In London und weitern Städten wird der Britannia Standard als Feingehalt eingeführt. Der Britannia Standard legte einen Feingehalt von 958 Teilen (95,84%) reinen Silbers fest.

17. Jahrhundert Kirchliches Silber wird in Russland mit einem Stempel in Form einer Hand in einem Schild gestempelt.

1720 Wurde der Sterling Silber Feingehalt von 92,5 % in England wieder eingeführt.

1722 – 1903 Silberschmiede in Russland organisieren sich in Zünften.

1729 Silber wird in Dublin gebührenpflichtig. Als Quittungsstempel wird eine sitzende Hibernia Figur mit Harfe verwendet.

1735 werden in Deutschland Jahresbuchstaben verwendet.

1752 In Schweden wird eine Landesmarke eingeführt.

1759 – 1926 In Schweden und Finnland werden Jahresstempelungen verwendet, die aus 24 Buchstaben und einer Zahl bestehen.

1759 In Schottland wird der Beschaustempel in Form einer Distel eingeführt.

1774 Die Besteuerung von Silber wird in Frankreich aufgegeben. Die Marken werden ab 1775 aber regional weiter verwendet.

1784 – 1890 Wird in England und Schottland als Gebührenmarke mit dem Abbild des Herrschers verwendet.

1789 Mit Beginn der französischen Revolution wird jede Überwachung des Feingehaltes von Silber aufgegeben.

1797 Meistermarken, die den Feingehalt garantieren werden in Frankreich wieder verwendet. Üblich ist 950er Silber für Silberschmuck und Silberobjekte und 800er Silber für Münzen.

1798 In Holland werden neue Beschauzeichen eingeführt.

18. Jahrhundert In Norwegen und Dänemark werden Prüfer (Wardeine) gewählt. Es werden einheitliche Meistermarken, Stadtmarken, Beschauzeichen und Jahresmarken auf Silberschmuck und Silberobjekten angebracht.

18. Jahrhundert In Russland wird ein Prüfstempel des Treuhänders hinzugefügt (3 Buchstaben in einem Herz).

1807 In Dublin (Irland) wird als Quittungsmarke der Profilkopf des Herrschers verwendet.

1811 In Italien werden die französischen Stempelmarken eingeführt.

1813 In Holland werden Silberobjekte vor dem Verkauf erneut geprüft und gestempelt. Somit können Silberstücke mehrere Stempel verschiedener Epochen aufweisen.

1814 Einheitliche Jahresbuchstaben in Holland. Zusammen mit Stadt- und Meistermarken.

1817 Werden in Frankreich Steuermarken eingeführt, die in 9 Bezirke unterteilt sind.

1818 Werden in Frankreich Jahresmarken verwendet, die heute noch in Gebrauch sind.

1819 In Glasgow (Schottland) wird eine Silberprüfstelle gegründet. Silberobjekte werden mit dem Beschaustempel (stehender Löwe), Stadt- und Meistermarke und Jahresbuchstaben gestempelt.

1821 Der englische Sterling Silber Feingehaltsstempel Leopardenkopf wird ohne Krone dargestellt.

1838 Wird für Frankreich ein einheitlicher Stempel verwendet, der noch heute in Gebrauch ist.

1852 In Holland wird in zweiter Klasse ein Feingehalt von 833 eingeführt.

1896 Stadtmarken werden in Russland nicht mehr verwendet.
Für den Sammler von Silberschmuck und Silberobjekten sind die Stempelmarken ein wahrer Segen. Die Silberstempel bürgen nicht nur für Qualität, sondern liefern Informationen zur Herkunft des Silberstückes. Durch einen vollständigen Satz Marken mit landestypische Stempeln, Gebührenmarken und Stadtstempel wird die Herkunft genau bestimmt. Die Meisterstempel liefern die Anschrift des Silberschmiedes und die später eingeführten Jahresbuchstaben offenbaren das genaue Herstellungsdatum.

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