La Gomera – Hippie, Blumenkinder, Flower Power

Ende der 1960er Jahre kamen die ersten Hippies auf das damals noch unerschlossene La Gomera. Sie waren auf der Suche nach einem Platz fernab der Zivilisation ohne gesellschaftliche Zwänge. Es gab keine Fähren, Straßen und ausgebaute Häfen. Die Anreise von Teneriffa erfolgte mit dem Postschiff und dauerte 8 Stunden. Abgeladen wurden die Passagiere mit einem Kran in San Sebastián. Der Weg nach Valle Gran Rey führte über den steinigen Hippie-Trial über Berge und durch tiefe Schluchten. Die ersten Lagerstätten waren die vom Atlantik ausgespülten Höhlen der Schweinebucht und der schwarze Strand Playa del Ingles. Die Vollmond Partys dieser Zeit waren legendär. Die nackt am Strand tanzenden, kiffenden Blumenkinder waren eine harte Prüfung für die streng katholischen Gomerianer.

Auch auf La Gomera geht die Zeit weiter, wenn auch ein wenig langsamer. Die Überfahrt von Teneriffa auf einer modernen Fähre ist in einer Stunde machbar und der Weg ins Valle Tal führt über eine gut ausgebaute Straße mit Taxi oder Bus. La Gomera hat einen kleinen Flughafen und der Hafen in Valle Gran Rey wurde ausgebaut, so dass jetzt auch Kreuzfahrtschiffe anlegen können. Für Pauschaltouristen besteht die Möglichkeit der Komplettbuchung, inklusive esoterischer Erfahrung. La Gomera ist nicht mehr das Ende der Welt.

Ein Teil der ersten Bewohner der Schweinebucht sind schon vor langer Zeit weitergezogen. Einige der Aussteiger haben zusammen verlassene Dörfer liebevoll restauriert. So ist El Guro heute ein Künstlerdorf, mit einem umfangreichen Angebot an Yoga- und Meditationskursen. Auch in der Schweinebucht sind immer wieder Langzeitbewohner anzutreffen, sofern sie nicht von der Guardia Civil geräumt wurden, was in regelmäßigen Abständen geschieht. Wenn in Valle Gran Rey die Sonne im Atlantik versinkt, treffen sich die Djembé Trommler, Gitarren- und Didgeridoospieler am Strand vor dem Casa Maria. Jongleure bieten eine Feuer Show und es Kreisen die Weinflaschen, und mitunter liegt auch ein süßlicher Duft in der Luft. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre, auch wenn das Spektakulum etwas an eine Theaterveranstaltung für Touristen erinnert. Sonntags wird in Valle Gran Rey ein kleiner Kunsthandwerkmarkt veranstaltet. Es wird Schmuck und Kleidung angeboten. An abgeschiedenen Platzen in den Bergen, oder an Stränden, werden mitunter Partys veranstaltet. Zum Rainbow Gathering in Februar/März 2013 in Alojera kamen immerhin 200-300 Erdkinder.
Die alten Zeiten sind Geschichte und die Zivilisation ist auch auf La Gomera angekommen. Wer die alten Zeiten sucht, wird enttäuscht sein. Die Blumenkinder haben die Insel geprägt und der alte Geist ist noch spürbar. La Gomera ist ein kraftvoller Ort mit einzigartiger Natur.

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