Qi (Chi)

Qi Chi

Das chinesische Schriftzeichen für Qi besteht ursprünglich aus zwei Zeichen. Das erste bedeutet Luft und das zweite Reis. Wobei die Übersetzung mit Reis der Sache nicht gerecht wird. Die Bedeutung von Reis ist in Asien höher zu werten. Luft umgibt das Leben wäre eine treffende Übersetzung

Qi ist ein fester Bestandteil des Daoismus und wird schon vom Philosophen Zhuangzi im Daodejing beschrieben. Zhuangzi erklärt das Qi als Lebenskraft und den Kosmos als aus Qi bestehend. Nach der daoistischen Lehre entstand die Welt aus den ursprünglichen Qi (Yuan). Das Ur-Chi trennte sich. Das Yang-Chi stieg zum Himmel und das Yin-Chi sank zur Erde. Chi verbindet die gesamte Schöpfung. Das Chi ist unsichtbar, wirkt jedoch überall, in jeder Pflanze, jedem Tier und jedem Menschen.

Laut der chinesischen Philosophie ist das Chi die Lebensenergie, wenn sie beim Tod den Körper verlässt teilt sie sich in Chi-Hun (Atemseele, Yang Chi) und Po (Körperseele, Yin Chi). Hun kehrt zurück in den Himmel und Po geht zur Erde.

Diese Vorstellung der Lebensenergie ist kein chinesisches Phänomen sondern findet sich in vielen Kulturen unter anderen Namen und in den Grundgedanken finden sich einige Parallelen. Auch im westlichen Raum versuchen sich die Forscher an dem Nachweis des Nichts.

In Indien ist das Prana bekannt. Es bedeutet übersetzt Lebenshauch oder Lebensatem. Im Hinduismus wird es mit Lebenskraft oder Lebensenergie gleichgesetzt. In den alten hinduistischen philosophischen Schriften, den Upanishaden und den Brahmanas, spielt die Lebenskraft eine wichtige Rolle. Die Atemübungen (Pranayama) des Yoga beschäftigen sich mit der Zusammenführung von Körper und Geist. Das indische Akasha steht für Himmel, Raum und Äther.

Japan, das in regen Austausch im kulturellen und wirtschaftlichen Bereichen mit China stand, ist mit ähnlicher Bedeutung das Ki bekannt. Das Wort Ki bezieht sich auf Aktivitäten des Willens und des Bewusstsein.

Im tibetischen ist Lung (Rlung) ein wichtige Grundlage des Buddhismus mit vielschichtigen Bedeutungen. Lung beschreibt Zustände des feinstofflichen Körper, Sprache, Verstand und bezieht sich auf den Energiefluss. Lung dient unter anderem der Körperbewegung, der Atmung und der Funktion des Verstandes. Lung bewegt sich in den inneren Kanälen (Nadis). Das Lung-ta (Windperd) trägt die Wünsche in den Himmel, auf das sie erfühlt werden.

In der polynesischen Kultur steht der Begriff Mana für eine Macht, die in allen weltlichen Erscheinungen von Stein bis Lebewesen enthalten ist.

Die Antiken Griechen kannten den Begriff Pneuma. Pneuma bedeutet so viel wie Geist, Luft. In arabischen Raum ist das Baraka als Segenskraft bekannt. Es ist jedoch an bestimmte Dinge, Orte oder heilige Personen gebunden, kann aber übertragen werden.

Auch in westlichen Lehren ist das Chi angekommen. So sprechen die Physiker von Nullpunktenergie. Sie kann auch als Vakuumenergie gezeichnet werden. Im quantenmechanischen Nichts (Vakuum), ist das was im Nichts ist, die messbare Nullpunktenergie. Die Nullpunktenergie ist kein fester Wert sondern eine Schwankung bzw. Wellenlänge. Mit Hilfe der Nullpunktenergie wird der Energieinhalt des Universum bestimmt. Sie ist die Kraft, die das Universum expandieren lässt.

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wird praktisch mit dem Chi gearbeitet. So werden bei der Akupunktur die Nadeln auf den Meridianen in denen das Chi fließt gesetzt, um Blockaden des Energieflusses zu stimulieren.

Laut der Lehre des Feng Shui fließt Chi im Idealfall sanft und wellenförmig, als beschleunigte, geradlinige Energie (Yang geprägt, Sheng-Chi) oder stagnierend (Yin geprägt, Sha-Chi). Feng Shui ist bemüht eine Balance herzustellen.

Das Chi zu erkennen, ist ein wichtiger Schritt Tai Chi zu verstehen. In den inneren Kampfkünsten ist die Wahrnehmung und die Steuerung des Qi ein wesentlicher Bestandteil. Der Energiefluss wird gestärkt und auch zum Kampf verwendet indem das Qi kontrolliert gelenkt wird. So sind Shaolin Kämpfer in spektakulären Bruchtests in der Lage ihre Energie derart zu konzentrieren, das Holzstangen an ihren Körper zerbrechen. Medizinisch nachweisbar ist eine erhöhte Durchblutung die durch die Vorstellungskraft erzeugt wird. Das kontrollierte Energiefeld kann auch die Absicht (Intention) des Gegners erkennen und so auf Angriffe frühzeitig reagieren.

Das Qi ist keine geheimnisvolle Kraft und Bedarf keiner esoterischen Verklärung. Die wohltuende Energie ist jedem von Geburt an gegeben. Tai Chi und Qigong bietet Techniken die Energie zu kontrollieren und zu lenken. Wichtige Faktoren sind die Atmung, die korrekte Haltung, entspannte Muskulatur, Wahrnehmung, Achtsamkeit und die Vorstellungskraft.

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