Silberförderung in Deutschland

Bergwerk-Seebach

Gediegen Silber (in der Natur vorkommendes Silber) wurde schon früh abgebaut. Die ersten Belege für den Silberabbau in Bergwerken in Deutschland stammen aus dem Jahr 950. Ab 1150 wird von einer regen Tätigkeit gesprochen. Reiche Funde in Freiburg führten zu einem regelrechten “Silberrausch”.

Zum Anfang der Silberförderung in Deutschland wurde das Silbererz nur von einzelnen Bergmännern von der Oberfläche oder aus bis maximal 15 Meter tiefe Gruben im Tagebau gefördert. Erst später schlossen sich mehrere Bergleute zusammen um tiefere Gruben zu erschließen. Auch die Werkzeuge ändern sich. Die in den Anfängen genutzten Keilhauen (Hacken) wurden durch Schlägel (Hammer) und Eisen (Spitzmeißel) ersetzt. Diese beiden Werkzeuge sind bis heute die Symbole der Bergleute. Ab dem 13. Jahrhundert wurden die Stollen immer tiefer getrieben und eindringendes Grundwasser erforderte neue Techniken in der Silberförderung. Es wurden aus benachbarten Tälern Stollen zur Entwässerung voran getrieben. Den Bergleuten, die diese Entwässerungsstollen bauten, stand laut Bergrecht ein Neuntel der Erträge, der entwässerten Gruben zu. So entstand der Begriff “Stollenneuntel”.

Zum Ende des Mittelalters im 15.Jahrhundert war Deutschland einer der größten Produzenten von Silber. Die Silbervorkommen im Erzgebirge, Harz (um Goslar), Siegerland und Schwarzwald (Feldberg) waren berühmt und brachten Wohlstand.

Im 16. Jahrhundert wurde der Bergbau weiter organisiert . In Freiberg wurde 1542 das Oberbergamt gegründet, welches Schürfrechte vergab, Erzpreise festlegte und rechtliche Dinge regelte. Vermehrt wurde Wasserkraft eingesetzt und ein ausgeklügeltes System aus Sammelteichen und Zuleitungen für das Aufschlagwasser zur Betreibung der Wasserräder errichtet. Mit dieser neuen Technik wurden größere Fördertiefen (500 Meter) im Vergleich der bis dahin verwendeten Hand- oder Pferde Förderräder. Schwerer Schaden fügte der dreißigjährige Krieg (1618-1648) der deutschen Silberförderung zu. Viele Bergwerke wurden in den Kriegswirren zerstört.

Mitte des 17. Jahrhunderts wurde erstmals Schwarzpulver zur Sprengung und Vorantreibung der Stollen verwendet. Ab 1700 entwickelten sich Lehreinrichtungen in denen Chemie, Metallurgie, Metallhüttenkunde, Mathematik, Mechanik, Mineralogie und Markschneidekunst unterrichtet wurde. Auch im siebenjährigen Krieg (1756-1762) wurden viele Bergwerke zerstört und die Silberförderung unterbrochen. Die Techniken des Bergbauwesen wurden weiterentwickelt und Maschinen verbessert. So wurden die ersten Wassersäulenmaschinen in den Bergwerken installiert. Ab 1840 kamen die ersten Dampfmaschinen zum Einsatz. Erstmals werden in Erzverarbeitungsanlagen ausländische Erze weiterverarbeitet, die günstiger gefördert werden können. 1871 verliert Silber seine Dominanz als Münzmetall durch die Einführung der Reichsgoldmünzen. Durch die Einfuhr von Silber aus Südamerika sinkt der Silberpreis. Auch eine staatliche Übernahme der letzten Silberbergwerke konnte die Entwicklung nicht stoppen und der weiter fallende Silberpreis führte am Anfang des 20.Jahrhunderts zum offiziellen Ende der Silberförderung in Deutschland.

Der steigende Silberpreis der letzten Jahre führte 2011 zu der Beantragung einer Förderlizenz und einer Erkundung alter Silbervorkommen im Erzgebirge (Sachsen). Steigende Silberpreise und weiterer industrieller Bedarf könnte zu einer Wiederaufnahme der Silberförderung in Deutschland führen.

Einige der alten Silberminen sind von ehrenamtlichen Kräften in mühevoller Arbeit zu Besucherbergwerken ausgebaut worden und können besichtigt werden. In einigen Besucherbergwerken sind die alten Grubenbahnen noch im Einsatz, ausgestattet mit Grubenlampen und Helm werden die Stollen erkundet, alte von Hand gehauene Stollen können besichtigt werden, alte Maschinen werden am Einsatzort vorgeführt, Allergiker genießen die staub- und pollenfreie Luft unter Tage. Nicht nur für Kinder ein spannender und lehrreicher Ausflug. Für die Besichtigung der Besucherbergwerke ist festes Schuhwerk und warme Kleidung erforderlich. Die Temperaturen betragen im Stollen +8 Grad Celsius.

Silberbergwerke in Deutschland:

Silbermine “Lautenthals Glück”
In Lautenthal (Landkreis Goslar) ist das älteste noch befahrbare Silberbergwerk im Oberharz zu besichtigen. Im Bergbaumuseum erhalten Besucher Informationen zur Silbergewinnung. Es werden Grubenloks und Bergbaumaschinen ausgestellt. In der Silbermine “Lautenthals Glück” wurde bis zum Jahr 1930 Silber, Blei und Kupfer abgebaut. Mit der Grubenbahn kann das Bergwerk befahren werden und in einem kleinen Rundgang stehen die Bergwerksstollen zur Besichtigung. In 226 Meter Tiefe befindet sich für die Schutzheilige der Bergleute die Kapelle der heiligen Barbara. Weiterhin befindet sich in der Silbermine ein 150 Meter lange Wasserstrasse, die mit Erzkähnen befahren werden kann.
www. Lautenthals-Glueck .de

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Silbergrube “Himmlisch Heer” oder “Irmgards Glück”
Im Silberbergwerk “Himmlisch Heer” in Dornstetten-Hallwangen (Kreis Freudenstadt) wurde vom 13. Bis ins 20.Jahrhundert Silber, Kupfer und Schwerspalt abgebaut.
www.Bergwerk-Hallwangen.de

Silbermine “Schauinsland”
In der Silbermine “Schauinsland” in Freiburg im Breisgau wurde vom 14.Jahrhundert bis 1954 Silber, Blei und Zink gefördert. Es war das größte Silberbergwerk in Süddeutschland. Mit 100 Kilometer langen Stollen auf 22 Etagen ist es ein imposantes Bergwerk.
www. Schauinsland .de

Silbermine “Friedrichs Fundgrube”
In der Silbermine in Freudenstadt wurde zwischen 1267 und 1730 Silber gefördert. Das Bergwerk ist als Besucherbergwerk ausgebaut worden.

Silberbergwerk “Segen Gottes” oder “Barbara zu unseren lieben Frauen”
Vom 16. Jahrhundert bis 1786 wurde in der Silbermine “Segen Gottes” in Haslach im Kinzigtal (Ortenaukreis) Silber gefördert. Im Bergwerk sind alte, von Hand gehauene Stollen, historische Türstockverbaue und Kristalldrusen und Stalaktiten zu besichtigen.

Grube “Teufelsgrund”
In der Silbergrube “Teufelsgrund” in Münstertal (Breisgau-Hochschwarzwald) wurde von 950 bis 1958 Silber, Blei und Flussspalt gefördert. Ein im Bergwerk gefundenes Stück Holzkohle belegt die frühe Nutzung als Abbaustätte. Neben Besichtigungen können in der staub- und pollenfreien Bergwerk Asthmakuren durchgeführt werden.

Silbergrube “Hella Glück” oder “Wilhelm Stollen”
In der Silber- und Kupfermine in Neubulach “Hella Glück” wurde seit dem 11. Jahrhundert Erze abgebaut. Das Bergwerk hatte im 14. Jahrhundert seine Blütezeit und von 1919 bis 1923 fanden die letzten Abbauversuche statt.
www. Bergwerk-Neubulach .de

Silberbergwerk “Grube Wenzel”
Von ca. 1300 bis 1830 wurde in der “Grube Wenzel” in Oberwolfach (Schwarzwald) Silber abgebaut.
www. Grube-Wenzel .de

Silbermine “Grube Anna-Elisabeth”
Zwischen 1473 und 1817 wurde in Schriesheim (Rhein-Necker-Kreis) Silber und Eisenvitriol gefördert.
www. Bergwerk-Schriesheim .de

Silbermine “Silbergründle”
In der Silbermine in Seebach im Achertal (Baden) im Ortenaukreis wurde seit dem Mittelalter Silber zu Tage gefördert.
www.Bergwerk-Seebach.de

Bergwerk “Grube Caroline”
Seit 1268 wurde in der Silbermine in Sexau (Kreis Emmendingen) Silber gefördert. Die “Grube Caroline” ist eines der ältesten noch begehbaren Erzbergwerke des Schwarzwald und liegt gegenüber der Schlossruine der Hochburg. Zu besichtigen sind im Mittelalter entstandene Grubenräume und Stollen, die von Hand aus dem arten Gebirgsgestein gehauen wurden.
www. Carolinengrube .de

Silberbergwerk Suggental
Vom Mittelalter bis 1938 wurde in Waldkirch Silber, Blei, Eisen, Kupfer und Schwerspalt gefördert.
www. Silberbergwerk-Suggental .com

Silbermine “Gewerkschaft Finstergrund”
Vom 13. Jahrhundert bis 1972 wurde in Wieden (Kreis Lörrach) Silber, Zink, Blei und Flussspat gefördert. Mit der Grubenbahn kann das heutige Besuchbergwerk befahren werden.
www. Finstergrund .de

Silbermine “Längental”
Bis ins 16. Jahrhundert befand sich in Wackersberg-Arzbach a.d. Isar eine Silbermine.

Silberbergwerk “Des Allmächtigen Gottes Gabe”
In den Minen in Bodenmais (Bayerische Wald) wurde im 15. Jahrhundert Silber gefördert. 1542 wurde das Bergwerk auf die Förderung von Vitriol zur Färbung von Stoffen umgestellt. Das Bergwerk wurde zum Besucherbergwerk ausgebaut.
Silbergrube “Fürstenzeche”
In Lam (Bayerischer Wald) wurde Flussspat und Silber abgebaut.
www. Fuerstenzeche .de

Besucherstollen “Wolfstaller Rösche”
Bis 1945 wurde in Bad Ems Blei, Zink, Kupfer und Silber gefördert. Im Emser Bergbaumuseum ist der Bergbau um Bad Ems dokumentiert.
www. Emser-Bergbaumuseum .de

Bergwerk “Grube Friedrichssegen”
Blei, Zink, Kupfer und Silber wurde in Lahnstein (Rhein-Lahn-Kreis) abgebaut.
www. Bergbaumuseum-Friedrissegen .de

Silberbergwerk “St.Anna am Freudenstein”
Von 1492 bis 1872 wurde in Zschorlau (Erzgebirgskreis) Silber, Kobalt, Nickel und Quarz abgebaut.
www. Silberbergwerk-Sankt-Anna .de

“Uran-(Sn-Fe)-Bergwerk”
Bis 1990 war die Mine in Pöhla (Erzgebirgskreis) eine Abbaustätte für Uran, Zinn und Silber.
www. zinnkammern .de

Silberminen “Aaronstolln”
und der “Engelsfreude-Wismutschacht” in Johanngeorgenstadt (Erzgebirgskreis) wurde zwischen 1716 und 1736 Silber gefördert. Im Schacht “Engelsfreude” wurde von 1708 bis ca. 1950 Silber und Uran abgebaut.

Silberbergwerk “Himmelfahrt Fundgrube”
Mittelsachsen war eine der großen Silberabbaugebieten in Deutschland. Von 1384 wurde in der “Himmelfahrt Fundgrube” Silber abgebaut. Wichtige Silberstädte der Region waren Freiberg, Zug, Brand-Erbisdorf, Halsbrücke, Dorfhain und Oberschöna. Weitere Gruben im Bereich der “Himmelfahrt Fundgrube” war als Hauptschacht der “Abrahamschacht”, “David Richtschacht”, “Turmhofschacht”, “Rote Grube”. Einige der Anlagen sind noch erhalten und sind zu Besucherbergwerken ausgebaut worden.
www. Besucherbergwerk-Freiberg .de

Bergwerk “Drei Brüder Schacht”
In Zug befindet sich dieses Besucherbergwerk.
www. Drei-Brueder-Schacht .de

Silberbergwerk “Himmelfürst Fundgrube”
Bei Brand-Erbisdorf (Erzgebirge) war berühmt für sein Vorkommen an gediegenem Silber. Insgesamt wurden 650 Tonnen reines Silber gefördert.

Bergwerk “Aurora Erbstolln”
Der “Aurora Erbstolln” liegt am Rand des Freiberger Revier in Dorfhain. Hier wurde zum Anfang des 16. Jahrhundert Silber, Blei- und Kupfererz abgebaut.
www. AuroraErbstolln .de

 
Bildquellen:
1) Silbergründle – Martin Groß
2) Himmlisch Heer Eingang – Joachim Hirsch
3-5) Silberbergwerk Irmgard Glück/Bergwerk Hallwangen – Martin Groß
6) Himmlisch Heer Stollen – Joachim Hirsch

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